Kolloquium Geoinformation
Das Kolloquium Geoinformation wird zweimal jährlich vom Fachbereich Bauwesen Geoinformation Gesundheitstechnologie in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Vermessungsingenieure e.V. (VDV), dem Deutschen Verein für Vermessungswesen (DVW) Niedersachsen/Bremen e.V., der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformatik e.V. (DGPF) und der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e.V. (DGfK) veranstaltet.
Vortragsbeginn: 15:45 Uhr
Raum: Hauptgebäude (HB1), E 22, Gebäudeplan
Parken: Parkplatz gegenüber Zeughausstraße 18 (Schrankenöffnung von 15:10 - 15:40 Uhr)
Sommersemester 2026
09.04.2026
Anwendungen für High-End Mobile Mapping – von der Ingenieurvermessung zum autonomen Fahren (Antrittsvorlesung)
Prof. Dr.-Ing. Gunnar Gräfe (Jade Hochschule - IMA, Professur für Angewandte Geodäsie)
Zusammenfassung: Mobile Verfahren zur Datenaufnahme ermöglichen die hochauflösende digitale Erfassung der Realität. Dabei werden Multisensor-Messsysteme eingesetzt, die mit Kameras, Scannern und ggf. noch weiteren Sensoren die Messumgebung hochauflösend abbilden. Die Auswertung dieser Daten führt zu detaillierten, dreidimensionalen digitalen Zwillingen. Anwendungen im Bereich der Ingenieurvermessung reichen von der präzisen Erfassung von Straßen- oder Bahnstrecken bis hin zur Tunnelvermessung. Großräumige Datenauswertungen umfassen digitale Zwillinge von Straßennetzen oder Städten sowie Grundlagen des autonomen Fahrens und der Simulation. Der Vortrag bietet schlaglichtartig spannende Einblicke in die verschiedenen Anwendungsfelder.
21.05.2026
Der Geoinformationsdienst der Bundeswehr – für Geodäten KEIN Arbeitsplatz wie jeder andere
Dipl.-Ing. Ole Frähmke, Oberst (Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr, Euskirchen)
Zusammenfassung: Die Landes- und Bündnisverteidigung bildet seit der „Zeitenwende“ den Kernauftrag der Bundeswehr. Für eine glaubwürdige Abschreckung, die Fähigkeit zur Verteidigung des eigenen Staatsgebiets sowie die Unterstützung verbündeter Streitkräfte sind präzise, zuverlässige und jederzeit verfügbare Geoinformationen unverzichtbar. Sie bilden eine der wesentlichen Grundlagen militärischer Planungs-, Führungs- und Entscheidungsprozesse. Nicht nur für verteidigungsrelevante Operationen, sondern auch für weitere Aufgaben wie Heimatschutz, internationales Krisenmanagement oder humanitäre Not- und Katastrophenhilfe steht die Bereitstellung qualitätsgesicherter Geoinformationen im Vordergrund. Der Geoinformationsdienst der Bundeswehr (GeoInfoDBw) stellt diese Grundlagen sicher. Militärische Operationen sind ohne präzise Kenntnis von Gelände, Infrastruktur, Umweltbedingungen und exakter Positionierung weder plan- noch durchführbar. Die exakte Positionsbestimmung an Land, in der Luft und auf See dient der Sicherstellung, dass Truppen und Fahrzeuge sicher navigieren und Waffensysteme präzise auf ihre Ziele ausgerichtet werden können, um ihre Wirkung möglichst genau zu entfalten. Insbesondere auf dem modernen, digitalen Gefechtsfeld spielt dies eine entscheidende Rolle. Ebenso werden wesentliche Geofaktoren wie Gelände, Infrastruktur, Bewuchs, Gewässer sowie dynamische Umweltbedingungen – einschließlich Klima und Wetter – erfasst, analysiert und für militärische Entscheidungsprozesse aufbereitet.
Das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw) ist die zentrale Facheinrichtung des GeoInfoDBw, in der sich Fachleute verschiedenster geowissenschaftlicher Disziplinen gemeinsam einer Problemstellung annehmen und im sogenannten interdisziplinären Ansatz Lösungen erarbeiten. Hier spielt die Geodäsie mit allen darunter subsummierten Disziplinen wie z.B. Photogrammetrie, Fernerkundung, Geoinformatik oder Kartographie eine tragende Rolle. Im Rahmen dieses Vortrags sollen nicht-alltägliche Betätigungsfelder eines Geodäten vorgestellt werden, die in diesem Berufsfeld so nur in der Bundeswehr zu finden sind. Der Vortragende ist selbst Diplom-Geodät und als Soldat seit 1990 in einer Vielzahl unterschiedlicher Verwendungen im militärischen Geowesen tätig.
11.06.2026
Flächendeckende Abgrenzung von kleinräumigen Eignungsgebieten für die Wärmeplanung
Mareike Fincken, M.Sc. (Jade Hochschule, Oldenburg - IAPG)
Zusammenfassung: Im Projekt FLAKE sollen auf die Wärmeversorgung zugeschnittene räumliche Abgrenzungen in einer Kommune mittels Geo-KI automatisiert werden. Zudem sollen dabei Klimaschutzstrategien von Wohnungsbaugesellschaften als wichtige Akteure der Wärmwende einfließen, was am Beispiel des Verbundpartners GSG OLDENBURG konzipiert und entwickelt wird. Vordefinierte Planungseinheiten aus anderen Bereichen, wie z.B. Baublöcke können im Rahmen der Wärmeplanung genutzt werden, die Nutzung beinhaltet aber einige Nachteile. Zum Beispiel haben Baublöcke die Schwierigkeit der eindeutigen Straßenzuordnung, da sie durch Straßen voneinander getrennt sind und eine Straße daher zu mehreren Baublöcken gehört.
Für die Planung von Wärmenetzen, ausgehend von einem POI, wird ein Algorithmus, angelehnt an Evolutionsstrategien verwendet. Der Algorithmus startet mit einer zufälligen Startkonstellation von Gebäuden pro Wärmenetz. Danach wird das Individuum durch Mutation und Selektion verändert, um sich dem Optimum anzunähern. Nach jedem Durchlauf wird für jedes Individuum die Wärmeliniendichte berechnet und so das aktuelle Optimum ausgewählt. Am Ende werden die besten Individuen ausgewählt und dargestellt.
